|
Die Krakauer lieben es, Geschichte in Legenden zu kleiden. Die Stadt, so beteuern sie, sei benannt nach Krak, einem polnischen Fürsten aus der Zeit des 7. Jahrhunderts. Auf dem Wawel habe er gewohnt, einem hohen, von den Wellen der Weichsel umspülten Hügel. Er war großmütig und tapfer, scheute keine Mühe, wenn es galt, von seinem Volk Unheil abzuwehren.
Zu seinen größten Heldentaten gehörte die Tötung eines feuerspeienden Drachen, der in einer Höhle am Fuße des Wawelhügels hauste und Rinder und Schweine, mit Vorliebe aber junge Frauen verspeiste. Listenreich gelang es Krak, das Ungeheuer zur Strecke zu bringen, Er bestellte ein Schaf, fuellte den Kadaver mit Schwefel, Pech und glühender Asche und warf ihn dem Drachen zum Fräße vor. Gierig verschlang dieser das Schaf und wurde alsbald von schrecklichem Durst gequält. Mühsam schleppte er sich um Fluß und stürzte sich auf das Weiehselwasser, doch der Durst war unstillbar. Der Drachen schlürfte und trank, bis daß sein Magen zerbarst und die reißenden Fluten seinen Körper davontrugen... Über die frühe Geschichte Krakaus ist wenig bekannt. Als gesichert darf gelten, daß sich im 8. Jahrhundert slawische Stämme an den Seitenarmen der Weichsel niederließen und auf sumpfigem Gelände Behausungen aus Lehm und Holz schufen. Der fruchtbare Boden begünstigte den Anbau landwirtschaftlicher Produkte, die Gewässer waren reich an Fisch; bald legten zugewanderte Handwerker und Kaufleute Straßen an, errichteten erste Häuser aus Stein. Bereits im 10. Jahrhundert war die Weich sei Stadt eine bekannte Handelsniederlassung an der Bernsteinstraße zwischen Ostsee und Südeuropa sowie der Route zwischen Prag und der Krim. Dies ist belegt durch Reisenotizen des arabischen Kaufmanns Ibrahim Ibn Jakub aus dem Jahr 965.
|