Die Kulturmetropole Krakau
05.09.2007.

»Krakau, das ist die Mischung aus habsburgischem Charme, italienischer

Grandezza, polnischem Widerspruchsgeist und nicht zuletzt

katholischer Sinnenfreude.« (Veronika Schlüter)

Fallt der Blick auf die Karte Mitteleuropas, kristallisiert sich eine heimliche Hauptstadt heraus: die Kulturmetropole Krakau, schönste und attraktivste Stadt Polens. Nur etwa 300 km liegt sie von Prag, Wien, Budapest und Lemberg ml lernt - und wenn man den Kreisbogen weiter schlägt, erscheinen an der Peripherie die Städte Triest, München und Berlin, Königsberg, Wilna und Kiew. 

Die Fremden zieht es schon seit über 1000 Jahren in diese Stadt, es kamen Kaufleute und Künstler, darunter viele Deutsche, Italiener und Juden. Krakau war Hauptstadt bis zu Beginn des 17. Jahrhunderts und blieb Polens kulturelles Zentrum bis zum heutigen Tag. Nur wenige Orte können sieh rühmen, auf engem Raum so viele Kunstschätze Mittelalter, Renaissance und Barock zu vereinen wie Krakau. Poeten nennen sie liebevoll »Stadt der spre­chenden Steine«: von bewegter Geschichte künden Bürgerhäuser und Adelspa­läste, über 100 Kirchen und Klöster, eine der ältesten Universitäten der Welt; im Wawelschloß, wo sich bis ins 18. Jahrhundert die polnischen Könige krönen ließen, residierte in den Jahren 1939-45 ein deutscher Generalgouverneur. Der mittelalterliche Stadtkern blieb im Zweiten Weltkrieg unzerstört, kein künstlicher Wiederaufbau historischer Stätten tat not. Dem heutigen Besucher präsentiert sich Krakau als Schnittpunkt kultureller Strömungen, kirchlich-kon­servative Tradition kontrastiert mit Lebensmustern der Moderne. Den Wider­spruch bekunden Kantor und Penderecki, Polanski und der Papst, allesamt Bürger dieser Stadt. Der Ruf der Kirche ist derweil ein wenig angeschlagen, /war verfügt sie in Krakau nach wie vor über riesigen Besitz, doch vor allem unter jüngeren Polen macht sich Missmut breit über klerikalen Herrschaftsanspruch, wächst der Widerstand gegen bevormundende Praktiken. Auf die sozia­listische soll keine weitere Gängelung folgen - nur das wird bejaht, was dem individuellen Vergnügen keine Schranken auferlegt.

Auf seinen Streifzügen durch die Stadt fühlt sich der Besucher ein ums andere Mal angezogen vom Rynek, einem der größten mittelalterlichen Plätze Europas: Seit über 700 Jahren ist er Zentrum des Öffentlichen Lebens. An Sommertagen herrscht hier fast südländische Ausgelassenheit: In den Straßencafes trifft sich ein buntes Gemisch von Bürgern und Studenten, Schauspielern und Künstlern - und wer sich ein wenig nach österreichischem Laissez-faire zurücksehnt, begibt sich in eines der Cafes in den Tuchhallen, wo vielleicht schon bald wieder Kaiser Franz Joseph die Wände schmücken wird.

In den Abendstunden wartet Krakau mit einem reichhaltigen Kulturangebot auf. Theater und Kabarett verheißen unterhaltsame Stunden, aus Kellergewölben ertönt Live-Musik. Vor allem die Film- und Musikfestivals, die Graphik-Biennale und die Woche der jüdischen Kultur locken internationales Publikum nach Krakau. Allerdings blieb die Stadt dank ihrer abgeschiedenen Lage bisher davor bewahrt, von Touristen überschwemmt und trivialisiert zu werden.

 

Zmieniony ( 05.09.2007. )